Unbefristet Österreich

Angestelltenvertrag Österreich (unbefristet)

Vorlage für unbefristeten Angestelltenvertrag nach AngG und ABGB für österreichische KMU. Probezeit, Kündigung, Kollektivvertrag. Annotiert.

Aktualisiert :

Auf einen Blick

Dauer
Unbefristet
Probezeit
Max. 1 Monat (§ 19 AngG); jederzeitige Auflösung durch beide Seiten ohne Frist und Begründung.
Kündigungsfrist (Arbeitgeber)
Mind. 6 Wochen, gestaffelt nach Dienstzeit bis 5 Monate (§ 20 AngG). Kündigung zum Quartalsende, sofern nicht 15. oder Monatsende vereinbart.
Kündigungsfrist (Arbeitnehmer:in)
1 Monat zum Monatsende (§ 20 Abs. 4 AngG); verlängerbar durch Vertrag oder KV.
Kollektivvertrag
Fast jeder Angestellte in Österreich ist einem KV unterworfen (Branche, Industrie, Handel, IT). Mindestlohn, Sonderzahlungen, Arbeitszeit verbindlich.
Sonderzahlungen
13. und 14. Monatsgehalt (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) durch KV vorgeschrieben; ca. Juni und November ausgezahlt.

Worauf Arbeitgeber achten müssen

  • Kollektivvertrag fast immer anwendbar

    In Österreich sind durch Allgemeinverbindlichkeit fast alle Branchen einem Kollektivvertrag unterworfen. Der KV legt verbindlich Mindestgehalt, Sonderzahlungen, Arbeitszeit, Zulagen und oft auch Kündigungsfristen fest. Vor Vertragsabschluss den anwendbaren KV (über die WKO oder den Branchenverband) identifizieren.

  • Angestellte vs. Arbeiter unterschiedliches Recht

    Das österreichische Arbeitsrecht unterscheidet streng zwischen Angestellten (büroähnliche Tätigkeiten, AngG anwendbar) und Arbeitern (manuelle Tätigkeiten, ABGB plus KV). Mit der Reform 2017/2018 wurden viele Unterschiede bei Entgeltfortzahlung und Kündigungsfristen angeglichen, aber nicht alle. Diese Vorlage betrifft Angestellte.

  • Dienstzettel binnen 1 Monat verpflichtend

    Wenn kein schriftlicher Arbeitsvertrag vorliegt, muss der Arbeitgeber binnen 1 Monat nach Beginn einen Dienstzettel mit den wesentlichen Bedingungen aushändigen (§ 2 AVRAG). Dieser hat aber keine konstitutive Wirkung; der Vertrag selbst kann mündlich gültig geschlossen werden. In der Praxis: immer schriftlich abschliessen.

  • Sonderzahlungen sind aliquot

    13. (Urlaubsgeld) und 14. Monatsgehalt (Weihnachtsgeld) sind KV-pflichtig und werden bei unterjährigem Ein- oder Austritt aliquot berechnet. Aliquote Anteile werden bei Austritt mit der Endabrechnung ausgezahlt.

  • Postvertragliches Konkurrenzverbot stark eingeschränkt

    Konkurrenzklauseln nach Vertragsende sind nur unter strengen Voraussetzungen wirksam (§ 36 AngG): max. 1 Jahr Dauer, Tätigkeitsbereich des Arbeitgebers, monatliches Entgelt über einer gesetzlichen Schwelle (2026: ca. 4.000 € brutto). Bei Arbeitgeber-veranlasster Auflösung wird die Klausel gegenstandslos.

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ANGESTELLTENDIENSTVERTRAG

Zwischen

[Firmenname], [Rechtsform] mit Sitz in [vollständige Adresse], FN [Firmenbuchnummer] beim Landesgericht [Ort], vertreten durch [Name Vorname], als [Funktion],

(nachfolgend „Dienstgeber” genannt)

und

[Name Vorname der·des Dienstnehmer:in], [Staatsangehörigkeit], geboren am [Geburtsdatum] in [Geburtsort], wohnhaft [vollständige Adresse], Sozialversicherungsnummer [Nummer],

(nachfolgend „Dienstnehmer:in” genannt)

wird folgender Dienstvertrag nach dem Angestelltengesetz (AngG) und dem anwendbaren Kollektivvertrag geschlossen:

§ 1 Tätigkeit und Beginn

Die·der Dienstnehmer:in wird mit Wirkung vom [Eintrittsdatum] als [Stellenbezeichnung] (m/w/d) eingestellt. Das Dienstverhältnis wird auf unbestimmte Zeit geschlossen.

§ 2 Kollektivvertrag

Es gilt der [Kollektivvertrag für … (Branche)] in der jeweils gültigen Fassung. Die·der Dienstnehmer:in wird in die Verwendungsgruppe [Gruppe], Verwendungsgruppenjahr [Jahr] eingestuft.

§ 3 Probemonat

Das erste Monat des Dienstverhältnisses gilt als Probemonat (§ 19 Abs. 2 AngG). Beide Parteien können das Dienstverhältnis während dieser Zeit jederzeit ohne Einhaltung einer Frist und ohne Angabe von Gründen auflösen.

§ 4 Aufgaben

Die·der Dienstnehmer:in übernimmt folgende Aufgaben:

  • [Aufgabe 1]
  • [Aufgabe 2]
  • [Aufgabe 3]

Diese Aufzählung ist nicht abschliessend. Übernahme gleichwertiger Tätigkeiten ist möglich.

§ 5 Arbeitsort

Die Tätigkeit wird am Sitz des Dienstgebers in [Arbeitsortadresse] ausgeübt. Dienstreisen innerhalb Österreichs und gegebenenfalls ins Ausland sind möglich.

§ 6 Arbeitszeit

Die wöchentliche Normalarbeitszeit beträgt [38,5 oder 40] Stunden, verteilt von Montag bis Freitag. Mehrarbeit und Überstunden werden gemäss AZG und Kollektivvertrag mit Zuschlägen vergütet oder in Zeitausgleich abgegolten.

§ 7 Entgelt

Das Bruttomonatsgehalt beträgt [Betrag] €, mindestens das KV-Mindestgehalt. Auszahlung jeweils zum Monatsende.

Sonderzahlungen. Die·der Dienstnehmer:in erhält ein 13. und 14. Monatsgehalt (Urlaubsbeihilfe und Weihnachtsremuneration) gemäss Kollektivvertrag, aliquot zu unterjährigem Ein- oder Austritt.

§ 8 Urlaub

Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt 30 Werktage (25 Arbeitstage) pro Urlaubsjahr (§ 2 UrlG). Ab 25 Dienstjahren erhöht sich der Anspruch auf 36 Werktage. Der Urlaub ist in Absprache mit dem Dienstgeber zu konsumieren.

§ 9 Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Die·der Dienstnehmer:in hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit nach § 8 AngG: 6 Wochen voll, 4 Wochen halb im ersten Dienstjahr; gestaffelt steigend bis zu 12 Wochen voll und 4 Wochen halb ab dem 26. Dienstjahr.

§ 10 Kündigung

Nach Ablauf des Probemonats gelten folgende Kündigungsfristen (§ 20 AngG):

Kündigung durch den Dienstgeber:

  • mindestens 6 Wochen, gestaffelt nach Dienstzeit bis zu 5 Monaten (ab 25 Dienstjahren);
  • jeweils zum Quartalsende (31.03., 30.06., 30.09., 31.12.), sofern nicht der 15. oder Monatsende vertraglich vereinbart wird.

Kündigung durch die·den Dienstnehmer:in:

  • 1 Monat zum Monatsende (verlängerbar durch Vertrag oder KV).

Kündigungen bedürfen der Schriftform (Beweissicherung). Eine vorzeitige Auflösung aus wichtigem Grund bleibt unberührt (§ 27 AngG für Dienstgeber, § 26 AngG für Dienstnehmer:in).

§ 11 Sondervereinbarungen

Verschwiegenheit. Die·der Dienstnehmer:in verpflichtet sich zur Verschwiegenheit über Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse während und nach Beendigung des Dienstverhältnisses.

Konkurrenzklausel. [Optional; nur wirksam unter den Voraussetzungen des § 36 AngG: Monatsentgelt über gesetzlicher Schwelle, max. 1 Jahr Dauer, Tätigkeitsbereich des Dienstgebers].

§ 12 Sozialversicherung

Anmeldung bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), AUVA, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung sowie der betrieblichen Mitarbeitervorsorgekasse (BV-Kasse, „Abfertigung neu”).


Ort und Datum: [Ort], den [Datum], in zwei Originalen, je ein Exemplar pro Partei.

Der DienstgeberDie·der Dienstnehmer:in
[Name + Unterschrift][Name + Unterschrift]

Vorlage an Ihren Fall anpassen

  • Arbeiter:innen statt Angestellte. Bei manuellen Tätigkeiten ist nicht das AngG, sondern das ABGB plus Kollektivvertrag anwendbar; Kündigungsfristen und Entgeltfortzahlung weitgehend angeglichen, aber nicht identisch.
  • Abfertigung neu vs. alt. Für ab 01.01.2003 abgeschlossene Dienstverhältnisse gilt zwingend die „Abfertigung neu” über die betriebliche Vorsorgekasse (1,53 % des Bruttoentgelts).
  • All-in-Vereinbarung für Überstunden. Bei höheren Gehältern oft üblich: pauschale Abgeltung von Überstunden; Achtung auf Deckungsprüfung (KV-Mindestgehalt plus tatsächliche Mehrarbeit).
  • Homeoffice-Vereinbarung. Schriftliche Vereinbarung empfohlen; Arbeitgeber haftet auch im Homeoffice nach AUVA; Tagespauschale steuerlich begünstigt.

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